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Aktuelles zum Thema Reptilien




Tips zur Echsenhaltung (Teil 1)

Echsen sind eine Unterordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata), deren ca. 3000 Arten überall in der Welt verbreitet sind und etwa die Hälfte aller heute lebenden Reptilien ausmachen. Man unterscheidet die Geckonen, die Leguane, die Glattechsen oder Skinke, die Blindschleichen, die Warane und die Wurmschleichen.

Verschiedene Arten besitzen an den Schwanzwirbeln sogenannte „Sollbruchstellen“, an denen der Schwanz bei ruckartigen Bewegungen abbricht. Bei Gefahr, z.B. Bedrohung durch Feinde, kann dieser Mechanismus den Echsen das Leben retten – der Feind muß sich mit dem Schwanzende zufrieden geben. Der abgebrochene Schwanz regeneriert sich wieder, indem er durch einen knorpeligen Strang aus Stützgewebe, Muskelfasern, Fettgewebe und beschuppter Haut ersetzt wird. Ganz so prachtvoll wie zuvor wird er allerdings nicht mehr. Im Umgang mit diesen Tieren sollte man daher vorsichtig sein – nicht am Schwanz ziehen oder festhalten.

Bei einer so großen Anzahl von Echsenarten besteht durch Anpassung und Spezialisierung eine enorme Variationsbreite in der Nahrung. Viele, vor allem kleinere Arten, sind Insektenfresser. Andere, wie z.B. die kleinen Taggeckos, nehmen neben tierischer Nahrung auch Früchte, deren Saft und andere Süßigkeiten wie Honig auf. Mehrere größere Echsen ernähren sich von Pflanzen. Grüne Leguane z.B. sind hauptsächlich herbivor, d.h. sie fressen Obst und Gemüse, verschmähen aber auch tierische Kost nicht. Selbst kleine Wirbeltiere werden von größeren Echsen wie Waranen oder der Iberischen Smaragdeidechse gerne gefressen. Durch den vorverdauten Magen-Darm-Inhalt der Beutetiere besteht auch hierbei ein großer Teil der Nahrung aus pflanzlichen Stoffen. Bei der Fütterung ist unbedingt auf eine ausreichende Kalziumversorgung zu achten. Dies gilt besonders für die fleischfressenden Echsenarten, da Fleisch und damit auch alle Insekten arm an Kalzium sind. Beim Tierarzt und im Fachhandel gibt es spezielle Mineralstoffmischungen, die die Tiere vor einem Kalziummangel schützen und somit Rachitis, Unfruchtbarkeit, Legenot, brüchigen, dünnschaligen Eiern usw. vorbeugen.

Echsen sind wechselwarme Tiere, die bestimmte Vorzugstemperaturen haben. Im Allgemeinen haben sonnenliebende Echsen Vorzugstemperaturen von 32 bis 37°C. Die meisten anderen Echsen bevorzugen Temperaturen von 24°C und höher, die normale Zimmertemperatur ist somit für die meisten Echsenarten zu niedrig. Die Vorzugstemperatur ist nicht konstant, sondern variiert je nach Tageszeit, Saison und Ernährungszustand. Im Terrarium sollte ein exzentrisch gelegener Heizkörper eingebaut sein, damit an einigen Stellen in Bodennähe Temperaturen bis zu 40-42°C erreicht werden, während der Großteil des Terrariums niedrigere Temperaturen aufweist. Eine Temperatursenkung in der Nacht ist oft günstig und bei Chamäleons sogar notwendig, um die Tiere gesund zu halten.

Art und Intensität des Lichtes sind wichtig für ein gutes Wachstum und für die Fortpflanzung. Normales Tageslicht reicht hierfür nicht aus, man hat aber festgestellt, daß spezielle Halogenlämpchen durch ihre hohe Lichtintensität und ihren beachtlichen Anteil an ultraviolettem Licht in einer Wellenlänge, die die Vitamin D-Bildung in der Haut anregt, Wachstum und Farbenpracht von Echsen besonders begünstigen.

Den Tieren sollte ein Terrarium zur Verfügung stehen, das den normalen Ablauf der biologischen Funktionen ermöglicht. Im Prinzip kann ein Terrarium gar nicht groß genug sein. Als Mindestmaß gilt : Die längste Seite des Beckens sollte 1,5- bis 2mal der Gesamtlänge der Echse entsprechen. Die Breite variiert von 50 cm für kleinere Terrarien, über 100 cm für größere und bis zu 300cm und mehr für sehr große Terrarien. Die Höhe richtet sich nach der Lebensweise. Erdbewohnende Echsen werden in flachen Terrarien gehalten, mit einer Mindesthöhe von wenigstens der halben Körperlänge. Für baumbewohnende Arten sollte die Höhe des Terrariums eine Mindesthöhe haben, die 2- bis 5mal der Körperlänge entspricht. Außerdem sind ausreichend Versteckmöglichkeiten anzubieten.

Viele Echsen beanspruchen ein Revier, welches sie gegen Eindringlinge verteidigen. Dies kann Rivalitäten auslösen und eventuell bei den Männchen zu Kämpfen führen, die tödlich enden können. Andere Käfiginsassen entziehen sich den Streitereien, stehen aber dadurch insofern besonders unter Streß, da sie in ihrem Fluchtversteck oft keine Möglichkeit zur Temperaturregulierung haben. Darüber hinaus werden sie in der Futteraufnahme und Verdauung gestört. Die Tiere magern ab, verlieren an Widerstandskraft und werden leicht Opfer von Krankheitserregern. Bei den Streithähnen selbst kann der emotionale Streß zur Erhöhung der Körpertemperatur führen, was nur kurze Zeit vertragen wird. Bekannt ist in dieser Hinsicht die artenreiche Gattung Anolis. Sie kann nur gemeinsam gehalten werden, wenn jedes Männchen sein eigenes Territorium hat, ohne ständigen Sichtkontakt zu den anderen. Smaragdeidechsen sind das Extrembeispiel, sie kann man nur paarweise halten.



Leguan

Tips zur Echsenhaltung (Teil 2)

Voraussetzung für eine gute Echsenhaltung ist peinlichste Sauberkeit! Aus dem Terrarium müssen täglich Kot und Futterreste entfernt und das temperierte Trinkwasser ausgetauscht werden. Außerdem sollten die Echsen stets auf ihren Gesundheitszustand kontrolliert werden: Bei gesunden Tieren ist die Maulhöhle ohne Beläge und entzündliche Veränderungen, die Nase frei von Ausfluß bzw. getrockneten Sekretresten, die Augen sind klar, die Kloake ist äußerlich sauber und ohne Verklebungen. Bei der Überprüfung der Haut ist außer auf Ektoparasiten auch auf Reste der letzten Häutung zu achten. Schwanzspitze und Zehenspitzen dürfen weder dunkel gefärbt noch abgestorben sein. Zum allgemeinen Gesundheitscheck gehört auch die Beobachtung der Bewegungsabläufe der Tiere. Bei unkoordinierten Bewegungen oder Lähmungserscheinungen einzelner Extremitäten sollte man genau wie bei anderen Auffälligkeiten sofort einen Tierarzt aufsuchen.

 

Haut und Häutung

Die meisten Echsen besitzen eine kräftige Haut mit unterschiedlich großen und verschieden geformten Schuppen. Die Geckogattung „Teratoscincus“ besitzt eine dünne, von Blutgefäßen durchzogene Haut mit dachziegelartig übereinanderliegenden Schuppen. Das Blutgefäßsystem in der Oberhaut ermöglicht diesem Gecko neben der Lungenatmung auch noch eine Hautatmung, wie sie sonst nur von Amphibien bekannt ist. Viele Echsen zeigen durch Zusammenziehen oder Ausbreiten von Pigmenten in den Farbzellen einen ausgeprägten Farbwechsel, der durch Hormone oder das Nervensystem gesteuert wird. Der Farbwechsel kann als Tarnung dienen (z.B. bei manchen Geckos), doch häufiger ist er ein Ausdruck psychischer Erregung. Dunkle Farben signalisieren Ruhe oder Unterlegenheit in einer Gruppe. Manche Echsen sind aber auch nur in den frühen Morgenstunden gefärbt, um möglichst viel Sonnenenergie aufzunehmen.

Die Häutung wird durch Hormone gesteuert, aber auch andere Faktoren wie Alter, Temperatur, Feuchtigkeit und Gesundheitszustand der Echse spielen eine Rolle. Skinke häuten in einem Stück wie die Schlangen, doch die meisten Echsen verlieren ihre alte Haut in Fetzen, und manchmal können zwei Häutungen gleichzeitig an einem Tier beobachtet werden. Geckos ziehen sich die alte Haut mit dem Maul ab und fressen sie auf. Meistens häuten sich Echsen problemlos, aber bei Stoffwechselstörungen und vor allem bei ungenügender Luftfeuchtigkeit bleiben Hautreste an den Zehen und der Schwanzspitze hängen. Trocknen diese Hautreste ein, können sie die Zehen und Schwanzspitze so stark einschnüren, daß diese absterben und eintrocknen. Solche Hautreste müssen deshalb im lauwarmen Wasser eingeweicht und vorsichtig entfernt werden. Bei manchen Geckos kann eine Schreckhäutung beobachtet werden, bei der die gesamte Haut und nicht nur die Oberhaut abgestreift wird. Diese Schreckhäutung wird durch eine bindegewebige Doppelschicht ermöglicht, die eine Abrißzone bildet. Trotz des völligen Hautverlustes kommt es nur zu geringen Blutungen. Nach wenigen Stunden ist eine dünne Schutzhaut neu gebildet, und nach cirka 3 Wochen ist die Haut wieder gänzlich regeneriert.

 

Krallenpflege

Lange und scharfe Krallen sind für viele Echsen arttypisch. Werden sie jedoch wegen eines falsch gewählten Bodengrundes zu lang oder gar krumm, müssen sie geschnitten werden. Vorsicht: der durchblutete Teil der Krallen darf hierbei nicht verletzt werden. Je nach Dicke der Krallen kann zum Schneiden eine Nagelschere, eine spezielle Krallenschere oder eine Zange benutzt werden.

 

Parasitosen

Trotz geeigneter Untersuchungsverfahren und Behandlungsmöglichkeiten stirbt heute noch eine Vielzahl der Echsen an Parasitosen , nur weil die Bedeutung dieser Erreger unterschätzt wird. Besonders Endoparasiten (innere Parasiten) führen bei Echsen zu erheblichen Verlusten und so empfehlen sich regelmäßige parasitologische Kontrolluntersuchungen.

 

Milbenbefall

In der Regel werden Milben vom Besitzer erst dann erkannt, wenn ein Tier massiv davon befallen ist. Milben leben unter den abgespreizten Schuppen, vor allem an Extremitäten, am Schwanzansatz und im Halsbereich. Durch den entstehenden Juckreiz werden die Tiere unruhig und scheuern sich viel, ferner kommt es durch den zur Anämie. Nach vorsichtigem Abbürsten der Echsen über weißem Papier kann man die Parasiten erkennen. Abgesehen von der Behandlung des Tiers durch den Tierarzt müssen Terrarium samt aller in ihm befindlichen Gegenstände mit einem Insektizid behandelt und anschließend gründlich gereinigt werden.

 

Zeckenbefall

Gelegentlich findet man auf der Haut der Echsen kleine Zecken, die man sich häufig durch frische Äste, Rinde oder ähnliches ins Terrarium einschleppt. Die Zecken müssen äußerst vorsichtig entfernt werden, damit in der Echsenhaut keine Reste der Mundwerkzeuge der Parasiten zurückbleiben, die dann Hautknoten oder Abszesse auslösen. Frisch importierten Waranen können von einer speziellen Zeckeart (Aponomma exornatum) befallen sein, die in den Nasengängen der Echsen parasitiert, Atemnot verursacht und dadurch zu erheblichen Beeinträchtigungen des Wirtstiers führt. Nach Entfernen der Zecken aus den Nasengängen erholen sich die Warane schnell wieder.

 

Endoparasiten

Vor allem Einzeller wie Amöben (Amöbenruhr oder Darmfäule) und Kokzidien (Kokzidiose), die den Magen-Darm-Trakt befallen, führen bei Echsen häufig zu Todesfällen. Deshalb sollte bereits bei den ersten Auffälligkeiten im Allgemeinbefinden oder im Freßverhalten sofort ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Auch Wurmbefall (Trematoden – Saugwürmer, Zestoden – Bandwürmer, Nematoden – Rundwürmer) muß behandelt werden, wenn auch die Auswirkungen in der Regel nicht so dramatisch sind. Bei starken Befall kommt es jedoch auch hier zu Freßunlust, Abmagerung und Schwäche. Um einem Wurmbefall vorzubeugen, sollte man auf die Fütterung von Beutetieren aus freier Wildbahn (Wildschnecken, Frösche, Fische, Nagetiere) verzichten, da durch sie Würmer bzw. ihre Vorstufen auf die Echsen übertragen werden können. Beim Zukauf neuer Tiere ist eine Kotuntersuchung mit bei Bedarf gezielter Entwurmung ratsam, bevor das Tier zu den anderen Echsen ins Terrarium gesetzt wird.

Infektionskrankheiten: Haltungsfehler, so vor allem die Überfüllung der Terrarien mit Echsen (Overcrowdingsyndrom) der gleichen wie auch unterschiedlicher Arten, und mangelnde Hygiene führen zur vermehrten Infektionsanfälligkeit gegenüber Bakterien. Im Vordergrund stehen hierbei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und Lungenentzündungen. Auch Infektionen der Haut in Form von Abszessen sind recht häufig. Starke Keimbesiedlung im Terrarium, Kampf- oder sonstige Verletzungen und eine Minderung der Resistenz sind die Vorbedingungen für die Abszeßentstehung. Auch als Prophylaxe für Infektionskrankheiten gilt Hygiene und Haltungsbedingungen zu optimieren. Sand als Bodenbelag ist zu vermeiden (Verletzungsgefahr, schlecht zu reinigen). Vorteilhafter ist kahler, gut zu säubernder Boden. Gut zu reinigen sollten auch Kletteräste, Versteckmöglichkeiten, Futternäpfe und sonstige Gegenstände im Terrarium sein. Optimal sind Wasserbecken, durch die ständig frisches Wasser strömt. Auf arttypisches Klima ist im Terrarium ist zu achten. Rangordnungs- und Territorialkämpfen unter den Insassen ist durch Umgruppierungen vorzubeugen. Zusätzlich trägt hochwertiges, abwechslungsreiches Futter wesentlich zur Steigerung der Widerstandskaft bei.